Red Flags am Arbeitsplatz
Jobsuchende aufgepasst: Etliche Angaben in Stellenanzeigen weisen darauf hin, dass es sich doch nicht um den Traumjob handeln könnte.Mikhail Gnatkovskiy – Shutterstock.com
Viele problematische Arbeitsverhältnisse kündigen sich bereits früh an – etwa durch unklare Stellenanzeigen, ausweichende Antworten im Bewerbungsgespräch oder eine Unternehmenskultur, in der Überstunden als selbstverständlich gelten.
Doch nicht verzagen: Hinweise für eine toxische oder ausbeuterische Unternehmenskultur finden sich an verschiedensten Stellen, man muss sie nur erkennen und interpretieren können.
Die Karriere-Plattform Zety hat die Top Ten der Red Flags zusammengestellt, auf die Bewerbende achtgeben sollten.
1. Überstunden als Teil der Firmenkultur
Achtung bei Formulierungen wie „Bei uns packt jeder mit an, wenn’s mal länger dauert.“ Handelt es sich dabei nicht nur gelegentliche – und nicht erwähnenswerte – Ausnahmen, spricht vieles dafür, dass das Unternehmen chronisch unterbesetzt ist und/oder gleich gar nicht mit einer klassischen 35- oder 40-Stunden-Woche kalkuliert.
2. Verschwommene Jobbeschreibung
„Sie sind flexibel einsetzbar und übernehmen verschiedene Aufgaben.“ Unklare Aufgabenstellungen oder zu viele Anforderungen ohne klare Priorisierung können auf eine chaotische Arbeitsorganisation hinweisen. Ohne ein anständiges Jobprofil laufen Sie zudem Gefahr, in Ihrer neuen Tätigkeit schamlos ausgebeutet zu werden.
3. Unrealistische Anforderungen
Bei Formulierungen wie „Wir suchen einen Allrounder mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung und einem exzellent abgeschlossenen Studiengang“ – oder im IT-Umfeld – „zehn Jahre Praxiserfahrung mit LLMs“ wird klar, warum viele Unternehmen über den Fachkräftemangel klagen. Ins Bewerber-Deutsch übersetzt, heißt das: „Wir wollen Senior-Level Leistung, zahlen aber nur Mid-Level.“ Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie fundiert die Entscheidungen im Joballtag sind, wenn schon die Anforderungen realitätsfern sind?
4. Angespannte Stimmung im Vorstellungsgespräch
Normalerweise versuchen Unternehmen, sich im Jobinterview von ihrer besten Seite zu präsentieren, professionell und freundlich zu wirken. Klappt das schon in dieser besonderen Situation nicht, stellt sich zurecht die Frage, wie es dann erst im Berufsalltag aussieht.
5. Häufiger Personalwechsel
Mehrfach ausgeschriebene gleiche Positionen deuten auf hohe Fluktuation und mögliche interne Probleme hin. Punkt.
6. Schlechte Unternehmensbewertungen
Sicher stammen viele schlechte Bewertungen auf Portalen wie Kununu von verärgerten Mitarbeitenden, denen gekündigt wurde oder die selbst gingen. Hinter jeder noch so überzogenen Kritik steckt aber immer ein Stück Wahrheit. Wenn das beschuldigte Unternehmen zudem nicht die Möglichkeit nutzt, darauf zu reagieren, spricht auch das eventuell Bände.
7. Druck im Jobinterview
„Wie belastbar sind Sie? Bei uns geht’s oft heiß her.“ Aussagen wie diese im Bewerbungsgespräch deuten oft auf regelmäßigen Stress, Personalmangel oder viele Deadlines hin.
8. Keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten
Leider offenbart sich meist erst nach Antritt des neuen Jobs, dass der neue Arbeitgeber wenig Interesse daran hat, dass sich ein Mitarbeiter weiterentwickelt. Gerät man in eine solche berufliche Sackgasse, sollte man dringend umkehren, solange es noch möglich ist (Probezeit).
9. Vage Zukunftsperspektiven
„Wir befinden uns in einer spannenden Umbruchphase.“ Die nackte Wahrheit hinter solchen euphemistischen Formulierungen ist, dass der potenzielle neue Arbeitgeber wirtschaftlich oder organisatorisch in Schwierigkeiten steckt, die alles andere als spannend sind. Welche, das erfährt man – vielleicht – durch Fragen, wie: Wo steht das Unternehmen in ein bis zwei Jahren? Welche Rolle spielt meine Position dabei? Welche Entwicklung ist realistisch?
10. Unklare Gehaltsspanne
Bei Floskeln wie „Leistungsgerechte Bezahlung je nach Erfahrung und Qualifikation.“ sollten Bewerber hellhörig werden. Nennt das Unternehmen keine konkreten Zahlen, ist das oft ein Synonym für: Überstunden inklusive und Bezahlung auf Mindestlohnniveau.
Wichtig ist, die Signale im Kontext zu betrachten, weiter zu recherchieren, Ergebnisse zu bewerten und im Zweifelsfall freundlich nachzufragen. So miniert man das Risiko, beruflich in eine Sackgasse zu geraten.
Hier finden Sie den kompletten Artikel: